Foto: Kai Schürholz



… Ansatzpunkt von Günthers Arbeiten ist die Wahrnehmung des Einzelnen als interaktiver Prozess. Das Wahrgenommene verändert sich mit der jeweiligen Perspektive, mit dem Kontext, neuen Informationen, Erkenntnissen und Emotionen. Gleichsam verändern sich die Dinge je nach Grad und Art der Aufmerksamkeit, die ihnen zufließt.

Rauminstallationen wie ‚Going Forth By Day‘ (2002) und ‚Transfigurations‘ (2007) von Bill Viola oder das ‚Giotto-Experiment‘ von Detlef Günther lösen sich ganz bewusst von dem Kunsterwartungsschema internationaler Ausstellungskunst und ermöglichen einen gesellschaftlich nachhaltigen Diskurs über technischkünstlerische Dimensionen. Bezogen auf die zwischen Technik und geistiger Kontexten sich bewegenden Arbeiten von Detlef Günther, erkenne ich einen allgemeinen Grundzug: Das wäre die Wiederaneignung des ‚Wir‘ durch das ‚künstlerische Individuum‘. Im ‚wir‘ unterwirft sich der ich-kluge Blick, er schaut ins Angesicht der anderen. Wohin man sich auch treiben lässt: immersive Räume, in denen die politische Kontemplation ihren Ort finden könnte, sind alles andere als abgestellt; sie sind ungemütlich, ruhelos, sprunghaft und fallen eher klein aus, lassen aber jede Vergrößerung zu.

Arthur Engelbert, Berlin im Juli 2009



Detlef Günther – Shortbio


Detlef Günther studierte an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und der Freien Universität Berlin zunächst Geistes- und Kommunikationswissenschaften und schloss das Studium 1982 mit einer wissenschaftlichen Arbeit über „Die Kunstauffassung der Kritischen Theorie“ ab. Von 1984 bis 1990 studierte er Freie Kunst an der HdK Berlin, nachmals UdK mit dem Abschluss als Meisterschüler bei Professor H. J. Diehl. Zur gleichen Zeit gründete er zusammen mit Martin Assig, Klaus Hoefs, Oliver Öfelein und Jochen Stenschke die Künstlergruppe BOR. Als freier Künstler war Günther in den 90er Jahren Mitarbeiter an dem Forschungsprojekt “Technisches Sehen” beim Medieninstitut Berlin (Leitung Prof. Dr. Arthur Engelbert). 1997 gründete er die “Twosuns Media Development GmbH” und entwickelte das Interactive Environment-System “Enclued” in Anbindung an ein neuartiges Kameraverfahren, das Personenbewegungen im Raum dreidimensional aufzeichnet. Beide Innovationen wurden vom Deutschen und Europäischen Patentamt patentiert.

Detlef Günther trat seit Ende der 80er Jahre bisher mit ca. 50 Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und im Ausland hervor, z.B. im Haus der Kunst München, Gemeente Museum Helmond (NL), Galerie Kremer-Tengelmann (Köln), NGBK Berlin. Im Auftrag von Unternehmen und Institutionen wie Sony Deutschland, dem Festspielhaus Hellerau, dem HKW, Carsten Nicolai/Marco Peljhan und dem Canon ArtLab in Tokyo (Projekt „Polar“ – Goldene Nica 2001) realisierte er zudem verschiedene Medienprojekte und -installationen.

Detlef Günthers Arbeiten sind u.a. vertreten im Kunstmuseum Gelsenkirchen in der Kunstsammlung der Deutschen Bank (Frankfurt), in der EON-Kunstsammlung, im Mueseo degli Angeli (Brolo/Sizilien) und in der Sammlung Ruth und Karl Kremer. Er lebt und arbeitet in Berlin.