Klinik der Würde

Triptychon: l+r, je: Acryl auf Leinwand, 50 cm x 40 cm / m: Acryl auf Leinwand, 220 cm x 180 cm, 2025



Die Theologen haben stets eine Konzeption der Menschenwürde vertreten, die untrennbar mit der Idee des Geschöpfs nach dem Bild Gottes verbunden ist und deren Wert gerade in dieser Abstammung begründet ist. In der Zeit vor der Aufklärung ist die Würde des Menschen in seinem Dialog mit Gott irreduzibel: Sie kann ihm nicht geraubt werden, weil er ein göttliches Geschöpf ist. … Bei den Philosophen der Aufklärung besteht der Charakter der Unantastbarkeit fort, doch bezieht er sich nicht auf den Status des Geschöpfs, sondern auf den der »Person« – die von anderen niemals als ein »Mittel« betrachtet werden kann. … Zwischen diesen beiden Ansätzen, dem der Theologen und dem der Aufklärung, vollzieht Pico della Mirandola im 15. Jahrhundert eine grandiose Wende, indem er …

… sowohl die historische Zeit aufnimmt, die ihm vorausgeht und die den Menschen als göttliches Geschöpf darstellt, als auch die künftige Zeit, die ihn zum Subjekt kürt, das seine Form erfinden kann. Diese Konzeption der Würde, die die Plastizität des Menschen annimmt – in dem Sinne, dass er derjenige ist, der seine Form vollendet –, ist nicht mit der Konzeption der transhumanistischen Denker gleichzusetzen, die den Begriff karikieren, indem sie ihn jeder Idee der Grenze und der symbolischen Sublimierung entfremden. Bei Pico, wie auch bei den Philosophen der Aufklärung, versucht der Mensch, die Freiheit zu behaupten, während er sich gleichzeitig seiner ontologischen Grenzen (der Endlichkeit) und der moralischen, symbolischen Verpflichtung bewusst ist, diese zu überwinden, und sei es nur, indem er sich weigert, damit einen Nihilismus zu assoziieren. Der Mensch ist der Garant dafür, dass die körperliche Unversehrtheit eines jeden Menschen respektiert wird, dass sein Körper wie auch der anderer nicht angetastet wird. Im Gegensatz dazu geht es für die Transhumanisten nicht mehr um das Symbolische, sondern um Technik, und die formale Plastizität weicht einer materiellen Plastizität, die auf die quantitative Steigerung ausgerichtet ist (und nicht auf die qualitative Vervollkommnung, die der Aufklärung am Herzen liegt). Daher bestünde die »Würde« des Menschen gerade darin, sich von einer Definition des Menschen lösen zu können, die, wie die Transhumanisten meinen, zu sehr in ihren körperlichen sowie rechtlichen Attributen verankert ist.
(Textausschnitt: Cynthia Fleury | Die Klinik der Würde, Suhrkamp, 2024)

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Dignity of Man | 3-Kanal Videogemälde

Dignity of Man ist eine Hommage an einen jungen Mann, der im Alter von 24 Wissenschaftler aus europäischen Universitäten einlud, um über die menschliche Freiheit zu diskutieren: Pico della Mirandola (1463-1494). Seine Eröffnungsrede „Über die Würde des Menschen“ wurde niemals gehalten, gehört aber heute zu den berühmtesten Texten aus der Renaissance.





Videogemälde | DvD-Version, 1-Kanal, 29′ 48”

Spoken Words: Amy Evans





Dignty of Man | Anatomisches Theater, Berlin

Das Stück wurde als 1-Kanal Videoinstallation in Zusammenarbeit mit dem Laptoporchester Berlin am 12. Juli, 2006 im Anatomischen Theater (Langhansbau) in Berlin uraufgeführt.
Review: Berliner Zeitung | Feuilleton
Text: Civilized Meditation | Angelika Sommer






Stream | Die Rückkehr der Verantwortung

Entwurf für eine Licht-/Klanginstallation: Das Klangenvironment beschäftigt sich inhaltlich mit dem Text aus der Rede von Pico della Mirandola, “Dignity of Man”, ist im Charakter eher leise und wird in der Art arrangiert sein, dass Anfang und Ende fließend ineinander übergehen.





Das Bedürfnis nach Erneuerung

Wandapplikation: Öl, Steinband, Futterstoff auf Leinwand, ca. 260 cm x 220 cm | 1000 Fotos





Transnaissance_no.1

Ausstellungsansicht | Andreas Reinsch Project, Berlin





Indeterminate Image

Digitaldrucke, Acryl, Folie, Steinband, Spiegelscherbe, 110 cm x 420 cm


Weitere Abbildungen „Transnaissance_no.1“ -> PDF



aus der Serie: Dignity of Man

Collagen auf Papier, je: 70 cm x 50 cm





Mode of Being | Geborgenheit ist kristallklar

Öl, Polaroidfoto, Digitaldruck, Kreppband, Bettlaken auf Alu di Bond, 200 cm x 360 cm
Katja David: Rede anlässlich der Ausstellung “Imaginarium II” Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, 2010






Enhanced Performance | Predigerin

Schmetterlingskasten, Digitaldrucke, Siebdruck auf Glas, Acryl, Präparationsnadeln, 36 cm x 48 cm x 5 cm





Enhanced Performance

Studio View | l: Enhanced Performance | r: Schöne Hände | je: Siebdruck, Folie, Holzrahmen, Lackfarbe auf Leinwand, ca. 140 cm x 210 cm





Mannequin | Quid Tum?

Studio View | je: Siebdruck, Folie, Holzrahmen, Lackfarbe auf Leinwand, ca. 140 cm x 210 cm





From their Mother’s Womb

je: Siebdruck, Öl, Folie auf Leinwand, ca. 220 cm x 140 cm





DIGNITY

Wandapplikation: Öl, Graphit, Voalstoff auf Nessel, ca. 220 cm x 280 cm



Weitere Arbeiten aus dem Projekt Futur II (Dignity of Man).pdf



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The Mirandola Series

je: Transparentpapier, Wachs, Acryl auf Leinwand, 42 cm x 29,7 cm – 2019










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Die Verdoppelung des Sehens

Moodboard, 200 cm x 300 cm

Der moderne Mensch ist eine Erfindung – eine Erfindung, die ihren Ausgangspunkt in der Frührenaissance, also etwa um 1420-1500 hat. Die Anfänge dieses Denkens lassen sich jedoch weiter zurückverfolgen bis zu Giotto di Bondone (1266-1337), der heute als der Begründer der Renaissancemalerei, als Pionier der Perspektive und des virtuellen Raums angesehen wird, und Petrarca (1304-1374), der als Mitbegründer des Humanismus gilt. Ca. 100 Jahre später verfasste Pico della Mirandola seine Rede “De hominis dignitate (Die Würde des Menschen, 1486)”, in der er den Menschen als wundersames “Chamäleon” beschreibt.

Ich möchte, indem ich an das 13. Jh. anknüpfe, an einen gesellschaftlichen Wendepunkt erinnern, an dem in Europa ein neues, das humanistische Menschenbild erfunden wurde, welches die Würde und die Einzigartigkeit jedes Menschen sowie seine Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Entfaltung betont. Ein Menschenbild, welches sich in seiner aktuellen Weiterentwicklung in einer Moralität des “selbstbezüglichen Ichs” präsentiert und Konzepte der Patchwork-Identität und des plastisch formbaren Körpers aufweist. Heute, ca. 700 Jahre später, ist der Mensch dabei, sich neu zu erfinden: Der Mensch entdeckt sich als operabel. Diese radikal neue Epoche erreicht alle wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche: Biologie, Biochemie und Genetik, Medizin, Pharmakologie und Psychopharmakologie, Psychologie, Soziologie und Politik. Spätmoderne Gesellschaften inszenieren das optimierte Geschöpf und zelebrieren das Singuläre.

Vor diesem historischen Hintergrund werden in der Ausstellung Details aus Giottos Fresken der Capella Scrovegni aktuellen Abbildungen aus Werbung, Wissenschaft und Alltag gegenübergestellt. Auf die zumeist als Einzelstücke im Siebdruckverfahren produzierten Arbeiten ist häufig als integrales Detail oder auch formatübergreifend das Symbol der Aureole gesetzt. Dieses Symbol der Aureole nimmt in Günthers Arbeiten die Bedeutung eines Platzhalters ein, der Fragen nach einer aktuellen Standortbestimmung des Menschen und seiner Lebendigkeit aufwirft.(DG)

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aus der Serie: Human Image (Loving the Alien)

je: Siebdruck, Öl auf Nessel, 220 cm x 180 cm / Siebdruck auf Papier, 100 cm x 70 cm





Ausstellungsansichten

Andreas Reinsch Project, Berlin 2017





Weltgericht

l: Siebdruck, Aquarell-Lasur auf Nessel (versch. Größen)
r: LED-Lichtkasten, Digitaldruck, Lackfarbe (Vorderseite – variable Größen | Entwurf)





Goldene Pforte

l: Siebdruck, Aquarell-Lasur auf Nessel (versch. Größen)
r: LED-Lichtkasten, Digitaldruck, Blattgold (Rückseite – variable Größen | Entwurf)





Pisanello …

Siebdruck, Acryl auf Papier (versch. Größen)





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… … diese zehn Bilder sind, so merkwürdig es klingt, immer noch Porträts. Sie thematisieren, sie allegorisieren den Menschen als reine Potentialität, als das, was von ihm bleibt, wenn man allen Narzissmus von ihm wegstreicht …

Christian Kupke: Der Bilderzyklus Grund von Detlef Günther, Berlin, March 2017 – Hier der gesamte Text (deutsch/english).






Grund 1 | 2 | 3

je: Öl auf Leinwand, 220 cm x 180 cm





Grund 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9

je: Öl auf Leinwand, 160 cm x 120 cm





Grund 10 | The Power to Believe

Christian Kupke, Versionen des Denkens. Version I: Enttäuschendes Denken – Berlin 2021, S. 99-101
Hier der Textauzug (deutsch/english).






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